Einer der Kritikpunkte an den europäischen und insbesondere deutschen Vollerfassungen der Bevölkerungen (Volkszählungen) ist das Sammeln umfänglicher sensibler Daten und deren zentraler Speicherung.
Diese Informationen sind hochsensibel und können niemals zuverlässig geschützt werden.
Von Behörden, Ämtern und Kommissionen immer wieder dementiert drohen sich diese, unsere Sorgen nun in Großbritannien nun leider zu bewahrheiten.
Dort (genauer: im Vereinigten Köngreich von Großbritannien und Nordirland) wurden nicht nur (wie in Deutschland geschehen – siehe Bericht vom 21.10.2010) Programmierungsarbeiten, Fragebogenversand und Auswertung der Fragebögen “outgesourced”, also an Fremdfirmen übertragen – dem amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin wurde die vollständige Organisation und Bearbeitung der britischen Volkszählung übertragen. Eine vorangeschrittene Form des Trends, staatshoheitliche Aufgaben zu privatisieren.
Schon Ende Februar haben wir auf den sich auch deswegen in Großbritannien entzündeten Protest hingewiesen, 7 Millionen der dort zur Beantwortung umfrangreicher Fragen aufgeforderten britischen Bürger haben sich daraufhin entschlossen, sich der ersten Befragungsrunde zu widersetzen. (Zum Beispiel so oder so oder so.) Und das, obwohl auch Großbritannien mit Strafen und Bußgeldern droht.
Doch nun fürchten die Briten den Daten-GAU
Wie im März berichtet wurde ist einer der weltweit führenden Hersteller industrieller Verschlüsselungstechnologie, die Firma RSA Security Inc., selber Opfer eines Hackerangriffs geworden. Dabei wurden den IT-Sicherheitsspezialisten sicherheitsrelevante Detail und Informationen entwendet, die nun offenbar für Angriffe auf Kunden von RSA eingesetzt werden.
In einer der jüngsten Mitteilungen musste nun der amerikanische, für den britischen Zensus verantwortliche Rüstungskonzern Lockheed-Martin bekennen, dass Unbekannte Zugang zu seinen Systemen und Daten erlangt habe. Offensichtlich hat man dort die bereits seit Wochen durch den RSA-Hack bestehende Gefährdung der Daten von Rüstungsprojekten und Zensusdaten nicht besonders ernst genommen. Ob und welche Daten und Informationen nun genau betroffen sind, das vermag man angeblich noch nicht genau zu sagen.
Es ist üblich, dass die von dieser Form von Industriespionage betroffenen Unternehmen und Behörden kein besonderes Interesse an Öffentlichkeit oder gar Offenlegung solcher Pannen haben.
Wieder einmal wird damit bewiesen:
Es gibt keine sichere Speicherung von Daten.
Die Sammlung von für Leib und Leben von Menschen heute oder in Zukunft gefährlichen Daten muss daher unterbleiben. Eine Volkszählung nach deutschem Muster, die zu einem nicht anonymisierten vollständigen Register alle in Deutschland lebenden Menschen inlusive Angaben zu Auskunftssperren und Zugehörigkeiten von “Sonderbereichen” führt, verbietet sich daher von selber!
Und dann bleibt noch die bange Frage:
Setzen auch die Statistischen Ämter Deutschlands Verschlüsselungstechniken von RSA ein?




