“Social Marketing”

Wer sich angesichts der bevorstehenden Monate dafür interessiert, wie eine Maßnahme wie die Volkszählung von behördlicher Seite medial durchgeführt und begleitet wird, dem sei folgendes Buch empfohlen:

Dr. Susanne von Roehl:
Social Marketing Kampagnen
Eine kommunikationswissenschaftliche Analyse am Beispiel der Kampagne zur Volkszählung 1987
Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. W. Schulz
Verlag Josef Eul, Bergisch Gladbach/Köln, 1991
ISBN 3-89012-231-0

Das Buch kann man in gut sortierten (Universitäts-)Bibliotheken finden.

Neben einem wissenschaftlich-theoretischen Teil beschreibt Frau von Roehl in ihrer zum Buch gewordenen Dissertation sehr detailiert, wie die Behörden damals medial vorgegangen sind.

Aus dem Vorwort von Prof. Schulz:

“Die Kampagne zur Volkszählung 1987 war wohl die bisher aufwendigste staatliche Maßnahme zur Beeinflussung und Mobilisierung der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deuschland.
(…)
Mit dem Anglizismus “Social Marketing” werden neuerdings Maßnahmen bezeichnet, die man früher – bevor der Begriff durch die Inanspruchnahme durch Nationalsozialisten und Kommunisten diskreditiert wurde – “Propaganda” nannte: Öffentliche, meist an die gesamte Bevölkerung gerichtete Information und Beeinflussung zur Erreichung politischer oder sozialer Ziele.”

Aus der Kurzbeschreibung der Volkszählungskampagne von Frau von Roehl:

“Um dieser Forderung [gemeint ist die vom Bundesverfassungsgericht 1983 formulierte Aufklärungspflicht] nachzukommen, initiierten die Bundesregierung und die statistischen Ämter eine umfangreiche Kampagne für die nun im Mai 1987 stattfindene Volkszählung.
Bereits im Dezember 1987 setzten die ersten Aktivitäten ein, die von einer fünfmonatigen Pause während der Zeit des Bundestagswahlkampfes unterbrochen wurden. Im März 1987 begann dann der zweite, weitaus intensivere Teil der Kampagne, der bis zum Stichtag der Zählung, dem 25. Mai 1987, lief.
Die breite Palette der Kampagnenaktivitäten umfaßte werbliche ausgerichtete Maßnahmen verschiedener Agenturen, wie Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften, Plakate, Verkehrsmittelwerbung, Radio-, Fernseh- und Kinospots, und die Verteilung von Postwurfsendungen und Faltblättern.
Darüber hinaus gab es intensive Öffentlichkeitsarbeit. Dabei wurden Pressekonferenzen, Interviews und Informationsveranstaltungen organisiert. Es wurden Mitteilungen, fertige Artikel und Informationsmaterial an Journalisten herausgegeben. Man veranstaltete Vorträge, Seminare und Diskussionen und initiierte Rundfunk- und Fernsehbeiträge zur Volkszählung. Vielseitiges Informationsmaterial (Broschüren, Handzettel und Fragebogenmuster) wurde in öffentlichen Gebäuden ausgelegt und an alle Haushalte verschickt. Spezielle Zielgruppen, z.B. Lehrer, Behörden, Kirchen, Kammern und Gewerkschaften, erhielten besonders zusammengestellte Informationen. Man richtete Auskunftsstellen ein und verteilte Public Relations Material, wie Aufkleber, Tragetaschen, Poster und Plaketten. Für die Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit waren das Statistische Bundesamt und die statistischen Landesämter verantwortlich. Ihre Maßnahmen wurden größtenteils zusammen mit den Agenturen erarbeitet oder zumindest mit ihnen abgestimmt. Auf diese Weise sollte ein einheitliches Bild aller Kampagnenaktivitäten gewährleistet sein.”